Automatisierungsdemonstration: Der Tanz der Maschinen

Ein Besuchermagnet auf der WOHM 2016 war das vollautomatisierte Arbeitsspiel im Bereich Automatisierung, in dem unter anderem das neuste Produkt von Linde Robotics, dem Schalganggerät K-MATIC, vorgeführt wurde. Ich habe mir von einem der zuständigen Experten, Clement Masson die Demonstrationsanlge erklären lassen. Begleiten Sie uns also in die aufkommende Ära der automatisierten Lagerverwaltung, in die Welt der mit 3D-Kameras ausgestatteten und Laser gelenkten, selbst fahrenden Flurförderzeuge.

Die technische Ausstattung der Matic-Geräte von Linde macht Leiterbahnen, Reflektoren und andere Leitsysteme nicht überflüssig. Sie navigieren selbständig durch die Lagerhallen dank der Geonavigation. Und, sie sprechen untereinander, womit ein faszinierendes Ballet ensteht. Statt zu warten, bewegen sich die Fahrzeuge aufeinander zu, um die Lagergüter zu übernehmen. Zudem ist die Technik so flexibel, dass auch eine schrittweise Automatisierung möglich ist, was einen Mischbetrieb aus manuellen und automatisierten Vorgängen überhaupt erst ermöglicht.

Bühne frei für die Show:

Zum Video mit Deutscher Übersetzung

 

So wird in Zukunft kommissioniert: Das halbautomatische OptiPick-System

Auf der World of Material Handling 2016 fasziniert mich ein Bereich besonders: Automatisierung. Dieses große, weit gespannte Feld wird meistens mit Robotern gleichgesetzt, die menschliche Arbeit ersetzen. Jedoch unterschlägt man damit, dass gerade halbautomatischen Systemen die nahe Zukunft gehört. Es handelt sich um Lösungen, die eine Interaktion zwischen Mensch und Maschine ermöglichen. Eine dieser Lösungen von Linde nennt sich OptiPick und befindet sich im Moment noch im Entwicklungsstadium, steht aber kurz vor der Marktreife.

Das flüssige Handling, der einfache Wechsel zwischen dem manuellen Modus und dem Automatikmodus ist absolut sehenswert!

Was ist OptiPick und wie funktioniert es?

Eine Mitarbeiterin – die mit für die Entwicklung des Systems mit zuständig ist – war so freundlich, mir das System zu demonstrieren. Es steht wie bereits gesagt kurz vor der Marktreife und daher ist es durchaus möglich, dass sich bis dahin das eine oder andere technische Detail noch ändern kann. Im Moment besteht es aus einem Computerarmband, das der Picker mit sich trägt. Zur Gesamtlösung gehört das Kommissioniergerät N20, das mit dem Computerarmband per Funk gekoppelt wird.

WOMH 2016 - OptiPicker Armband

Die möglichen Bedienungsfunktionen:

  1. Der Picker löst per einfachen Touch auf das Armband das Bewegungskommando für den N20 aus, der darauf exakt 2,80 Meter im Breitgang parallel zu den Regalen autonom entlangfährt. Das entspricht der Standardlänge eines Regalsegments. Natürlich kann im System eine andere Länge hinterlegt werden. Nach exakt 2,80 Metern hält die Maschine an. Der Picker entnimmt das Paket aus dem Regal. legt es zur bereits kommissionierten Ware und löst erneut per Touch ein weiteres Fahrtkommando aus. Der große Vorteil wird sofort klar: Der Kommissionierer muss nicht mehr ständig zwischen Fahrzeug und Regal hin- und herlaufen. Die Maschine folgt dem Mitarbeiter sozusagen bei Fuß! Das ist nicht etwa starr, sondern hochflexibel gelöst.
  2. Diesmal hat der Picker die Fernbedienung zweimal berührt. Das bedeutet für den N20, die doppelte Strecke autonom zu fahren. Also 5,60 Meter bis zum übernächsten Regal.
  3. Wenn der Kommissionierer ein entfernteres Regal ansteuern muss, löst er das Kommando per Dauer-Touch auf dem Armband aus. Die N20 fährt nun solange, bis der Bediener per Touch das Stop-Signal auslöst. Variabler und einfacher geht es im Grunde nicht mehr.
  4. Touch – Drive – Pick – Touch – Drive – Pick. Das ist die Formel letztlich.
  5. Der Bediener kann jederzeit wieder die Kontrolle über das Fahrzeug übernehmen, indem er wie gewohnt aufsteigt und selber lenkt. Der Wechsel zwischen Automatik und Manuell erfolgt ohne besonderen, komplexen Befehle oder Handgriffe. Einsteigen und losfahren. Absteigen, picken, das Armband betätigen und den N20 autonom weiterfahren lassen. Was im Video wunderbar zu sehen, wie flüssig dieses Handling ist.
  6. Sollte im autonomen Fahrmodus ein Objekt oder ein Lagermitarbeiter den Weg versperren, stoppt der N20 vollautomatisch dank der im Frontbereich eingebauten Sensoren, die ein 180 Grad-Umfeld überwachen. Das System ist dadurch so clever, das kleinere Hindernisse automatisch umfahren werden. Das Fahrzeug erkennt zudem wenn das Regal zu Ende ist und bleibt automatisch stehen, um nicht in einen offenen Kreuzungsbereich hinein zu fahren. Im System kann natürlich ebenso der Fahrabstand zu den Regalen eingestellt werden. Minimum sind 55 cm.
WOMH 2016 - Der Kommissionierer N20

Der Kommissionierer N20 mit OptiPick-System

Ich habe nur eine einzige Frage noch dazu: Wann wird Linde Material Handling ein solches System als Kleinstlösung für Privathaushalte anbieten?

Vier Megatrends in der Intralogistik

Die World of Material Handling 2016 ist erfolgreich gestartet und bietet den 6.000 erwarteten Gästen aus aller Welt eine Hülle und Fülle an Informationsmöglichkeiten, sich auf den aktuellsten Stand der intralogistischen Herausforderungen zu bringen. Linde Material Handling hat hierzu vier zentrale Trends erkannt – Automatisierung, Vernetzung, Individualisierung und Energiesysteme – auf die unter dem Motto „linked perspectives“ während dem Event ausführlich eingegangen wird. Wie Linde darauf kommt? Die Antwort ist fast schon zu einfach: Kundennähe!

Kundennähe nur eine Phrase?

Man spürt und merkt es förmlich in allen Gesprächen mit den Mitarbeitern, die mir bis jetzt während dem Event begegnet sind. Sie leben diese Kundennähe, wie ich es bisher bei kaum einer anderen Firmen erlebt habe. Viele Unternehmen schreiben sich Kundennähe in die eigenen Prospekte, aber wie viele leben das wirklich? Wären alle Firmen so, gäbe es viel weniger schlechte Produkte und miese Services. Ohne Kundennähe versteht ein Unternehmen weder gute Produkte auf die Beine zu stellen noch mit der Zeit und den Kunden mitzugehen. Es ist wohl kein Zufall, aber ich habe es in den Gesprächen mit den Gästen nicht nur einmal gehört: „Linde ist das Amt für Gabelstapler!“ und das darf gerne als höchste Auszeichnung verstanden werden, stellvertretend für die Detailliebe und Qualitätsansprüche, die man hier bei der Umsetzung an den Tag legt. Im Ausland sagt man dazu wohl „made in Germany„.

Andreas Krinninger zur Kundennähe

Diese Kundennähe bestätigte Andreas Krinninger (CEO Linde Material Handling) explizit, indem er die zahlreichen Gäste mit den Worten begrüßte: „Unsere Kunden dabei zu unterstützen, ihre Performance im Material Handling zu optimieren, ist unsere höchste Priorität! Unser Ziel ist es, das Unternehmen zu sein, das die Herausforderungen seiner Kunden bei der Steuerung ihrer Materialflüsse am besten versteht und die Potenziale erkennt, um ihre Leistungsfähigkeit zu verbessern.“

Zu den vier Trends – Automatisierung, Vernetzung, Individualisierung und Energiesysteme – äußerte er sich wie folgt: „Diese vier Trends versprechen starke Wachstumsimpulse für den Intralogistiksektor. Die vier Trends werden die künftige Entwicklung unseres Angebot ganz wesentlich bestimmen. Wir müssen einen breiten Ansatz verfolgen, um unseren Kunden zu helfen, ihre immer komplexer werdenden Prozessketten zu optimieren.“

Was bedeuten die vier Trends konkret?

Christophe Lautray, Chief Sales Officer bei Linde Material Handling hat sie den Gästen ausführlicher erläutert. Fassen wir sie hier zusammen:

Visitors at linde womh 2016

Vernetzung

Der Schlüssel zur Effizienzsteigerung ist nicht mehr allein das Fahrzeug selbst, sondern die Einbindung in die Prozesse. Ausgehend von einer steigenden Zahl an Sensoren und Kommunikationssystemen wird die Welt der Intralogistik immer mehr zu einem durchgängigen, betrieblichen System. Man kann es sogar als eine Art von Betriebssystem verstehen. Unabhängig welche Maschine betrieben werden, unabhängig davon welche Software eingesetzt wird, das Betriebssystem sorgt für eine Verbindung aller Bestandteile.

Automatisierung

Mit dem stetig wachsenden Angebot an autonom fahrenden und hebenden Flurförderzeugen geht ein deutlicher Paradigmenwechsel einher: Die Grenzen zwischen manuell und vollautomatisch weichen mehr und mehr auf. Mehr noch, der Begriff der „smart factory“ deutet bereits an, wohin die Reise gehen wird. Automatisierte Fahrzeuge kommunizieren nicht nur mit WMS- und ERP-Systemen, sondern mit anderen Geräten, Rollbahnen, Toren sowie Maschinen und Anlagen.

Enregiesysteme

Knapper werdende Ressourcen, strengere Emissionsvorschriften sowie steigende Ansprüche an Nachhaltigkeit und Effizienz führen letztlich zu alternativen Energiesystemen. Schon heute setzen Kunden wie BMW auf Brennstoffzellen und Lithium-Ionen betriebene Fahrzeuge, um im gesamten Produktionsprozess das Gebot der Nachhaltigkeit in die Praxis umzusetzen. Das Thema Alternativen zur Bleisäure-Batterie wird bei immer mehr Kunden nachgefragt. Die Lithium-Ionen Technik wird hierbei in absehbarer Zeit einen markanten Anteil am Fahrzeugbestand aufweisen.

Individualisierung

Der wachsende E-Commerce Markt sorgt dafür, dass Losgrößen stetig kleiner werden und sich zugleich die Anforderungen an Kommissionierung und Warenumschlag grundlegend ändern. Damit steigt der Bedarf nach einer wachsenden Zahl an Varianten, Optionen und individuell gefertigten Produkten, um bei einer Steigerung von Effizienz, größerer Sicherheit und sinkenden Kosten im Wettbewerb Schritt halten zu können.

Und nun?

So! Jetzt haben wir vier große Trends kennengelernt. Aber was heißt das konkret für die betriebliche Praxis? Theorie hin, Theorie her, so stimmig das Bild auch sein mag. Ich werde während dem Event auf alle vier Bereiche mit zahlreichen Anwendungsbeispielen eingehen, aber auch die Gäste – ob Kunden, Experten oder Partner – dazu befragen, um es so lebendig und greifbar wie nur möglich zu gestalten.

Faszinierendes Schauspiel automatisierter Lösungen

Automatisierung, Individualisierung, Energiesysteme und Vernetzung. Diese Bereiche repräsentieren die World of Material Handling 2016. Der Bereich Automatisierung bietet eine hochinteressante Demonstrationslage, die den Besuchern eine vollautomatisierte Lösung im Einsatz zeigt. Mit einigem Staunen verfolgen die Besucher die Bewegungen des neuen Hochregalstaplers K-MATIC, der zusammen mit dem P-MATIC Schlepper und dem L-MATIC AC Gegengewichtshochhubwagen eine hochpräzise Choreographie vollführt. Ein echtes Schauspiel, das man sich nicht entgehen lassen sollte. Hierzu ein sehr kurzes Demo-Video im schnellen Zeitraffer:

Der Hochregalstapler K-MATIC entnimmt im Versuchsaufbau eine Palette aus dem Regalfach und befördert  sie zum Übergabepunkt. Der L-MATIC Hochhubwagen ist bereits informiert und übernimmt die Palette, um sie auf einer Rollenbahn abzusetzen. Dort erwartet der P-MATIC Schlepper die Palette, die abschließend in ein weiteres Regal transportiert wird. Zusätzlich sehen Sie, wie der P-MATIC in einem weiteren Durchlauf die Palette direkt zum wartenden L-MATIC Hochhubwagen fährt, der das Gut anschließend aufnimmt. Das alles erfolgt ohne menschlichen Eingriff.

Genau an dieser Demonstration können wir erkennen, wie die verschiedenen Ansätze der Linde Material Handling Hand in Hand gehen, linked perspectives eben. Die Vernetzungstechnologien verbinden die Steuerung, Sensorik, Navigation und den Austausch mit den Warensystemen. Die Automatisierungstechnik vereint beide Welten, die der Vernetzung und die der Produktlösungen.

Die Interaktionsmöglichkeiten beschränken sich jedoch nicht nur auf eine rein vollautomatisierte Lösung. Linde ermöglicht ebenso Mischlösungen mit manuell betriebenen Fahrzeugen. Sämtliche Maschinen der MATIC-Reihe sind hierzu mit Sensoren ausgestattet, um nicht nur zielgenau das Handling der Warenströme zu gewährleisten, sondern damit Mensch und Material stets sicher sind.

Faszinierend ist der richtige Ausdruck für diese Demonstrationsanlage!

WOMH 2016 - Automation Workshop

Die weiteren Schwerpunkte sind: IndividualisierungVernetzung und Energiesysteme.