Die Bleisäure-Saurier stehen vor dem Aussterben.

In der Automobilbranche ist ein wahrer Hype um den Tesla ausgebrochen. Doch die Logistiker lächeln nur müde darüber, denn elektrisch angetriebene Flurförderzeuge sind in ihrer Branche schon lange Realität. Linde wartet zur WOHM 2016 mit einer neuen Generation von batteriebetriebenen Fahrzeugen auf. Im Bereich „Energiesysteme“ hatte ich die Gelegenheit, mich mit dem Fachpersonal auszutauschen und konnte mir die Lithium-Ion Technik erklären lassen.

Gegenüber den herkömmlichen Nasszellentechniken warten Lithium-Ion Batterien mit einigen markanten Vorteilen auf. Das Hauptargument liegt auf der Ladetechnik. Während für Bleisäure-Batterien „manche Mitarbeiter eigens am Wochenende in die Firma gehen, um die Batterien zu tauschen und aufzuladen“ – so Christoph Englert, Produkmanager für Elektrostapler – ist das bei der neuen Technik nicht mehr notwendig. Die Stapler können jederzeit und in wesentlich kürzerer Zeit aufgeladen werden, auch zwischendurch. Ein zeitraubender Batteriewechsel entfällt. Zudem wird ein Laderaum mit einer entsprechenden Belüftungsanlage auch nicht mehr benötigt. Platz ist teuer, den man sich damit nun sparen kann.

Es wurde während der WOHM nur zu deutlich: Viele Kunden und Händler waren sich einig, dass früher oder später die Bleisäure-Akkus gegen die moderneren Lithium-Ionen-Batterien ausgetauscht werden. Und bei Linde hält die neue Technologie nach den Lagertechnikgeräten nun auch bei den Gegengewichtsstaplern Einzug.

Doch auch im Bereich Batteriemanagement und rund um Sicherheitsaspekte hat Linde viel Tüfftelarbeit investiert. Die Mitarbeiter waren stolz betonen zu können, wie viel Sicherheit drinsteckt. Angefangen beim Überlade- und Überhitzungsschutz bis hin zum Schutz vor einer Tiefenentladung.

Ein Beispiel dazu: Rollt ein Truck eine Neigung herunter, setzt die Rekuperation ein. Sprich: Die Batterie wird aufgeladen. Doch sollte der Akkustand bereits bei 100% sein, würde die Batterie überladen und Schaden nehmen. Um das zu verhindern, haben die Ingenieure einen Überladungsschutz integriert, erklärt mir Christoph Englert. Im Batteriegehäuse sind Metallstreben platziert, die bei Überladungsgefahr die überschüssige Energie aufnehmen und als Hitzeenergie ableiten.

WOMH 2016 - Overloading Protection

Das System hat sich Linde eigens patentieren lassen. Auch für die Tiefenentladung hat sich Linde etwas einfallen lassen. Ab 10% Akkustand wird das Fahrzeug auf Kriechgeschwindigkeit limitiert. Und bei 2% wird der Stapler komplett abgeschaltet, um ihn im Reservemodus zur nächsten Ladestation bewegen zu können. Schieben geht nun einmal nicht.

Ein anderes Beispiel: Alle haben schon einmal von explodierenden Akkus gehört, die Handybesitzern um die Ohren geflogen sein sollen. Auch Hoverboards aus fernöstlicher Produktion wird nachgesagt, dass die Akkus gerne mal abrauchen. Wie schon beschrieben, hat Linde einige Kniffe eingebaut, damit die Batterie keinen Schaden nehmen kann. Doch was ist bei einem Crash? Geht der Akku nicht in die Luft? Ich hoffe, man wird das Crash-Video noch sehen können, das den Besuchern gezeigt wurde. Ein acht Tonnen schwerer V-Stapler donnert einem E-Stapler mit 20 Km/h und der Gabelzinke voran voll in die Breitseite. Und passiert ist… nichts! Die Batterie ist mit zentimeterdicken Stahl (2,5 cm!) ummantelt, die Batteriezelle ist bestenfalls leicht eingedellt aber definitiv nicht angestochen. Und das ist es wohl was man von einem Linde-Stapler einfach erwartet – robust und sicher muss er sein.

WOMH 2016 - E-Stapler E16 EVO

E16 EVO

Während Tesla noch Fleißpunkte beim Aufbau der frühen Nachfrage für Elektroautos sammelt, kehrt bereits die zweite Generation an E-Staplern in die Lagerhallen ein.

Vier Megatrends in der Intralogistik

Die World of Material Handling 2016 ist erfolgreich gestartet und bietet den 6.000 erwarteten Gästen aus aller Welt eine Hülle und Fülle an Informationsmöglichkeiten, sich auf den aktuellsten Stand der intralogistischen Herausforderungen zu bringen. Linde Material Handling hat hierzu vier zentrale Trends erkannt – Automatisierung, Vernetzung, Individualisierung und Energiesysteme – auf die unter dem Motto „linked perspectives“ während dem Event ausführlich eingegangen wird. Wie Linde darauf kommt? Die Antwort ist fast schon zu einfach: Kundennähe!

Kundennähe nur eine Phrase?

Man spürt und merkt es förmlich in allen Gesprächen mit den Mitarbeitern, die mir bis jetzt während dem Event begegnet sind. Sie leben diese Kundennähe, wie ich es bisher bei kaum einer anderen Firmen erlebt habe. Viele Unternehmen schreiben sich Kundennähe in die eigenen Prospekte, aber wie viele leben das wirklich? Wären alle Firmen so, gäbe es viel weniger schlechte Produkte und miese Services. Ohne Kundennähe versteht ein Unternehmen weder gute Produkte auf die Beine zu stellen noch mit der Zeit und den Kunden mitzugehen. Es ist wohl kein Zufall, aber ich habe es in den Gesprächen mit den Gästen nicht nur einmal gehört: „Linde ist das Amt für Gabelstapler!“ und das darf gerne als höchste Auszeichnung verstanden werden, stellvertretend für die Detailliebe und Qualitätsansprüche, die man hier bei der Umsetzung an den Tag legt. Im Ausland sagt man dazu wohl „made in Germany„.

Andreas Krinninger zur Kundennähe

Diese Kundennähe bestätigte Andreas Krinninger (CEO Linde Material Handling) explizit, indem er die zahlreichen Gäste mit den Worten begrüßte: „Unsere Kunden dabei zu unterstützen, ihre Performance im Material Handling zu optimieren, ist unsere höchste Priorität! Unser Ziel ist es, das Unternehmen zu sein, das die Herausforderungen seiner Kunden bei der Steuerung ihrer Materialflüsse am besten versteht und die Potenziale erkennt, um ihre Leistungsfähigkeit zu verbessern.“

Zu den vier Trends – Automatisierung, Vernetzung, Individualisierung und Energiesysteme – äußerte er sich wie folgt: „Diese vier Trends versprechen starke Wachstumsimpulse für den Intralogistiksektor. Die vier Trends werden die künftige Entwicklung unseres Angebot ganz wesentlich bestimmen. Wir müssen einen breiten Ansatz verfolgen, um unseren Kunden zu helfen, ihre immer komplexer werdenden Prozessketten zu optimieren.“

Was bedeuten die vier Trends konkret?

Christophe Lautray, Chief Sales Officer bei Linde Material Handling hat sie den Gästen ausführlicher erläutert. Fassen wir sie hier zusammen:

Visitors at linde womh 2016

Vernetzung

Der Schlüssel zur Effizienzsteigerung ist nicht mehr allein das Fahrzeug selbst, sondern die Einbindung in die Prozesse. Ausgehend von einer steigenden Zahl an Sensoren und Kommunikationssystemen wird die Welt der Intralogistik immer mehr zu einem durchgängigen, betrieblichen System. Man kann es sogar als eine Art von Betriebssystem verstehen. Unabhängig welche Maschine betrieben werden, unabhängig davon welche Software eingesetzt wird, das Betriebssystem sorgt für eine Verbindung aller Bestandteile.

Automatisierung

Mit dem stetig wachsenden Angebot an autonom fahrenden und hebenden Flurförderzeugen geht ein deutlicher Paradigmenwechsel einher: Die Grenzen zwischen manuell und vollautomatisch weichen mehr und mehr auf. Mehr noch, der Begriff der „smart factory“ deutet bereits an, wohin die Reise gehen wird. Automatisierte Fahrzeuge kommunizieren nicht nur mit WMS- und ERP-Systemen, sondern mit anderen Geräten, Rollbahnen, Toren sowie Maschinen und Anlagen.

Enregiesysteme

Knapper werdende Ressourcen, strengere Emissionsvorschriften sowie steigende Ansprüche an Nachhaltigkeit und Effizienz führen letztlich zu alternativen Energiesystemen. Schon heute setzen Kunden wie BMW auf Brennstoffzellen und Lithium-Ionen betriebene Fahrzeuge, um im gesamten Produktionsprozess das Gebot der Nachhaltigkeit in die Praxis umzusetzen. Das Thema Alternativen zur Bleisäure-Batterie wird bei immer mehr Kunden nachgefragt. Die Lithium-Ionen Technik wird hierbei in absehbarer Zeit einen markanten Anteil am Fahrzeugbestand aufweisen.

Individualisierung

Der wachsende E-Commerce Markt sorgt dafür, dass Losgrößen stetig kleiner werden und sich zugleich die Anforderungen an Kommissionierung und Warenumschlag grundlegend ändern. Damit steigt der Bedarf nach einer wachsenden Zahl an Varianten, Optionen und individuell gefertigten Produkten, um bei einer Steigerung von Effizienz, größerer Sicherheit und sinkenden Kosten im Wettbewerb Schritt halten zu können.

Und nun?

So! Jetzt haben wir vier große Trends kennengelernt. Aber was heißt das konkret für die betriebliche Praxis? Theorie hin, Theorie her, so stimmig das Bild auch sein mag. Ich werde während dem Event auf alle vier Bereiche mit zahlreichen Anwendungsbeispielen eingehen, aber auch die Gäste – ob Kunden, Experten oder Partner – dazu befragen, um es so lebendig und greifbar wie nur möglich zu gestalten.

Das Potential moderner Antriebstechniken

Die World of Material Handling geht unter dem Motto der „linked perspectives“ auf vier zusammenhängende Themenfelder ein: Automatisierung, Individualisierung, Vernetzung und Energiesysteme. Jeder dieser vier Bereiche wird in der Ausstellung, in Workshops und Produktpräsentationen eingehend behandelt. Wir zeigen Ihnen kurz auf, welche Einzelthemen Sie dabei erwarten können.

Im zukunftweisenden Bereich „Energiesysteme“ werden sämtliche Fragen rund um die Lithion-Ionen-Akkus und die Brennstoffzelle behandelt. Die Besucher lernen die Potentiale und Vorteile der modernen, nachhaltigen Antriebstechniken kennen, die in den kommenden Jahren einen deutlichen Anstieg im Betriebseinsatz verzeichnen werden. Umso wichtiger ist es, sich darüber so früh wie möglich zu informieren.

Zudem werden mögliche Varianten verfügbarer Batteriekapazitäten aufgezeigt, ein vergleichender Bezugsrahmen zu Bleisäure-Batterien hergestellt, sowie das Lademanagement und die Aufladezeiten, aber auch wichtige Sicherheitsaspekte besprochen. In einem beeindruckenden Crash-Test Video werden die sehr hohen Sicherheitsstandard von Linde deutlich. Erfahren Sie, wie das Batteriemanagement-System mit dem Fahrzeugsystem kommuniziert, welche Vorteile dieser Ansatz besonders bei niedrigen Ladezuständen birgt.

Natürlich haben die Gäste die Möglichkeit, sich vor und nach den Workshops von Experten auf dem ganzen Gelände in aller Ausführlichkeit informieren zu lassen, um die Einzelaspekte zu vertiefen. In den Folgebeiträgen des Tagesreports werden wir auf die einzelnen Produkte, Neuheiten und grundlegenden Aspekte näher eingehen.

Visitors at linde womh 2016

Die weiteren Workshops zu den Bereichen sind: IndividualisierungAutomatisierung und Vernetzung.