Jeder Staplerfahrer kennt das berühmte Traglastdiagramm. Welches Gewicht darf ich wie hoch heben, wie viel darf ich laden, wie schaut es mit der Balance aus. Aber nicht immer weiß der Fahrer genau wie viel die Last tatsächlich wiegt oder wo zum Beispiel bei einer langen Ladung der Schwerpunkt liegt. Entsprechend kann man Unfälle beim Handling der Ladung nicht immer verhindern. Zuviel Tempo, ein zu großer Lenkeinschlag, das Gleichgewicht verlagert sich und schon kann man sich ein weiteres Unfallvideo auf YouTube anschauen: Dominoeffekte im Regallager. Klingt lustig, ist es aber überhaupt nicht.

Der Teufel steckt im Detail

Linde hat Jahre an einer Lösung geforscht, wie sich solche Unfälle verhindern oder zumindest verringern lassen. Aus den Entwicklerlaboren kam ein Produkt heraus, das weltweit wohl als die spannendste Assistenzsystem der letzten Jahre in diesem Bereich bezeichnet werden kann: Der Linde Safety Pilot. Das Herzstück ist ein elektronisches Abbild des bereits erwähnten Traglastdiagramms. Die Sicherheitseinheit überwacht mittels Sensoren in Bruchteilen von Sekunden sämtliche, relevanten Faktoren: Wie groß ist der Lenkeinschlag, wie schwer ist die Ladung, wo liegt der aktuelle Schwerpunkt der physikalischen Gesamtheit aus Ladung und Fahrzeug, wie schnell will der Fahrer fahren, wie hoch ist die Gabel, fährt der Stapler rückwärts- oder vorwärts und eine ganze Reihe weiterer Parameter, die laufend gemessen werden müssen. Die Fahr- und Lastzustände ändern sich in Millisekunden.

Das alles musste in mühsamer Entwicklungsarbeit so robust und zuverlässig wie nur irgend möglich umgesetzt werden. Die Produktmanagerin, die mir das alles erklärte, bekam im Gespräch förmlich glänzende Augen, als sie mir davon berichtete, wie herausfordernd diese Aufgabe war. Unendliche Testreihen, immer wieder Anpassungen und Verfeinerungen. Sie erzählte mir davon, als wäre es ihr eigenes Baby. Und irgendwie ist es das auch, sobald Linde-Ingenieure über ihre technischen Errungenschaften berichten. Mich fasziniert diese Detailliebe immer wieder aufs Neue.

Was kann der Safety Pilot?

Das aktive Sicherheitssystem verhindert in bestimmten Grenzen das Umkippen des Staplers samt Last. Das ist der Kern des Ganzen. Wir werden das gleich im Video sehen, da Linde zur World of Material Handling einen waschechten Simulator aufgestellt hat, in dem man ohne Gefahr das System testen kann.

WOMH 2016 - Linde Safety Pilot Simulator

Das System in der Aktive-Ausführung signalisiert nicht nur einen Gefahrenzustand und warnt den Fahrer über eine Monitoranzeige gekoppelt mit einem Signalton. Es verhindert zudem, dass der Fahrer zu sehr an Tempo aufnimmt. Um es genau zu sagen: Es greift aktiv so ein, indem es die Geschwindigkeit von sich aus reduziert, wenn der Fahrer den Stapler in den Grenzbereich bewegt. Ähnlich verhält es sich bei der Hubhöhe. Auch hier wird die maximale Höhe limitiert, wenn die maximale Traglast erreicht ist. Schauen wir uns das im folgenden Video anhand dem Simulator an:

Was kann der Safety Pilot noch?

Der Fahrer kann diverse Komfortfunktionen nutzen, die soweit ich das von Fahrern erfahren habe, in der Praxis gerne genutzt werden. Dazu gehört u.a. die Funktion, die maximale Hubhöhe voreinstellen zu können, um dem Rolltor ein längeres Leben zu gönnen. Oder aber der Picker, der die Anzahl der Ladevorgänge mitsamt aufaddierten Gewichten anzeigt. Eine prima Möglichkeit, um die Ladepapiere abzugleichen: „Habe ich 12 Paletten mit 5 Tonnen Gesamtgewicht aus dem LKW entladen?„.

Der LSP-Monitor:

Linde Safety Monitor

Die Bedieneinheit des Linde Safety Pilot hinter den Joysticks der Linde Load Control – was ich schon alles gelernt habe 🙂 Die Bedienung ist denkbar einfach. Drehen und Bestätigen, mehr muss man nicht lernen.

Linde Load Control

Hilft nicht bei grobem Unfug

Der Linde Safety Pilot ist für mich das, was im Automobilbereich das ESP ist (elektronisches Stabilitätsprogramm). Eine Technik, von der man im Grunde im Alltag kaum etwas mitbekommt, wie ein stiller, guter Geist. Eine absolute Sicherheit kann es nie geben – bei grobem Unfug oder Lasten die seitlich ungleich über das Fahrzeugprofil hinausragen kommt das System an seine Grenzen.