Ein Sicherheitsgurt wird angelegt, um genau das zu bekommen: Mehr Sicherheit. Mehr gäbe es dazu eigentlich nicht zu sagen. Doch in der betrieblichen Praxis sieht es nicht selten anders aus. Es kann dann schon durchaus vorkommen, dass „Max“ mit 20 Sachen um die Ecke düst und sein Lagerleiter ihm hinterherruft „Mensch, schnall dich an, Max!„. Im Grunde genommen ist es einfach: Es besteht Anschnallpflicht in Europa, wenn man nicht in einer geschlossenen Kabine fährt. Viele Fahrer ignorieren die Pflicht, entsprechend sind dann aber auch die Unfallstatistiken. Ganz zu schweigen davon, wie der Versicherungsschaden zu wessen Lasten reguliert wird.

Die Entwicklung des Orange Belts

Auf der einen Seite haben wir demnach teilweise unvorsichtige Fahrer, auf der anderen Seite ist Sicherheit keine lästige Pflicht. Wie bringt man das zusammen? Ich habe mir von verschiedenen Linde-Experten die Entwicklungsgeschichte des Orange Belts – so heißt der smarte Sicherheitsgurt von Linde – erläutern lassen.

Schnell war klar, dass es eine kräftigere Farbe braucht, damit die Verantwortlichen im Lager auf einen Blick erkennen können, ob die Fahrer angeschnallt sind. Also Orange statt Schwarz. Beim nächsten Punkt wurde es spannender, denn der Faktor Mensch ist nicht zu unterschätzen. Natürlich hat Linde in Zusammenarbeit mit seinen Kunden ein System entwickelt, das recht einfach bemerkt, ob ein Fahrer den Gurt anlegt. Sobald der Gurt einschnappt, weiß das Fahrzeug, dass es regulär fahren kann. Wenn nicht, fährt es mit maximal 2 km/h.

Die Fahrer haben sich dann wie folgt geholfen, um die lästige Anschnallpflicht zu umgehen: Sie haben den Gurt einschnappen lassen und sich dann draufgesetzt, um das System auszutricksen. Das führte zu einer weiterentwickelten Version, die zugleich den aktuellen Stand der Gurttechnik darstellt. Der Fahrer muss sich zunächst auf den Sitz setzen. Was einen Drucksensor auslöst. Grünes Licht? Der Fahrer könnte sich doch dann mit seiner Hand auf den Sitz abstützen und… nein, kann er nicht! Denn er muss den Gurt so umlegen, dass er eine bestimmte Streckenlänge zurücklegt. Ein eigener Sensor misst tatsächlich den Gurtlauf. Und erst dann – in der dritten Anschnallsequenz – wird der Gurt eingeschnappt. Bis jetzt soll es noch kein Fahrer geschafft haben, das Gurtsystem auszutricksen. Manch einer hat es während der Fahrt versucht, sich wieder abzuschnallen und musste schnell lernen, dass sein Fahrzeug auf das 2 km/h – Limit heruntergebremst wurde. Pustekuchen!

Es kam übrigens während einer Präsentation die Frage auf, ob das Fahrzeug denn nicht besser am Losfahren gehindert werden könnte, solange der Fahrer nicht korrekt angeschnallt ist? Linde hat dazu eine sehr wichtige Aussage getroffen: „Wir stoppen nie ein Fahrzeug!„. Der Grund ist tatsächlich die Sicherheit. Man stelle sich vor, ein Fahrzeug würde in einem Gefahrenbereich stehen und der Fahrer muss sein Fahrzeug schleunigst wegbewegen. Dann zählt jede Sekunde. Einen Stapler per Hand zu bewegen, ist völlig ausgeschlossen. Genau aus diesem Grund kann der Fahrer das Fahrzeug starten und mit maximal 2 km/h wegfahren. Ohne angeschnallt zu sein.

WOMH 2016 - Orange Belt

Das geht über das hinaus, was ich im öffentlichen Straßenverkehr nur zu gut kenne, da ich auch immer wieder neue PKW-Modelle teste. Mehr als ein nerviges, sich wiederholendes Dauersignal (was auch eine Art Erziehungsmaßnahme zu unserem Schutz ist) gibt es in keinem PKW. Insofern darf man den Orange Belt von Linde wohl als den smartesten Sicherheitsgurt überhaupt bezeichnen. Ich persönlich muss gestehen, dass mich der Aufwand beeindruckt, der hier betrieben wurde. Auch wenn manche Fahrer das Anschnallen als eine lästige Pflicht empfinden. Ich kann mich noch gut an einen Besuch im Allianz-Forschungszentrum in Ismaning erinnern. Es wurden diverse Crash-Tests bei niedrigen Geschwindigkeiten vorgeführt. Selbst ein kräftiger Fahrer hat bei niedrigen Tempi schlichtweg keine Chance mehr, mittels reiner Muskelkraft einen sehr schmerzhaften Aufprall seines Oberkörpers zu verhindern.