Einsatz Linde Stapler mit Brennstoffzelle bei Mercedes Benz

„Unter bestimmen Bedingungen bietet die Brennstoffzelle deutliche Vorteile“

Mark Hanke, Abteilungsleiter Komponentenvorentwicklung bei Linde Material Handling, über Chancen und Möglichkeiten der Brennstoffzelle im Antrieb von Flurförderfahrzeugen.

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Energiesysteme

Herr Hanke, welche Vorteile bietet der Einsatz von Brennstoffzellen in den Fahrzeugen von Linde MH?

Genau diese Frage untersuchen wir gerade im Rahmen eines großen Forschungsprojekts, das bei BMW in Leipzig noch bis Juni 2016 läuft. Es wird aber jetzt schon deutlich, dass die Technologie unter bestimmten Bedingungen Vorteile mit sich bringt. Die Fahrzeuge lassen sich schnell betanken und ihre Verfügbarkeit steigt damit an. Dadurch benötigt zum Beispiel ein Mehrschichtbetrieb weniger Fahrzeuge.

Wie entwickeln sich die laufenden Kosten im Vergleich zu batteriebetriebenen Fahrzeugen?

Das kommt natürlich darauf an, welche Einsatzszenarien vorliegen. Wie ist zum Beispiel der Batteriewechsel organisiert? Wenn es nur einen zentralen Laderaum gibt, vor dem die Fahrzeuge in Schlange auf eine neue Batterie warten müssen, ist die Brennstoffzellenbetankung ein großer Vorteil. Auch der Personalaufwand rund um das Energiesystem der Fahrzeuge geht übrigens zurück.

Wie zuverlässig sind Fahrzeuge mit diesem Antrieb?   

Das Energiesystem gleicht einem komplexen Kraftwerk mit verschiedenen Steuerungen und Überwachungssystemen. Hier kann es natürlich auch zu Störungen kommen. Die Erfahrungen aus dem Forschungsprojekt zeigen, dass hinter den Ausfällen zumeist kleine Probleme stehen. Die Fahrzeuge können nach kurzer Reparatur weiterfahren. Allerdings wurde auch deutlich, dass man einen lokalen Servicepartner für die Brennstoffzelle benötigt, der schnell hilft.

Stehen noch Entwicklungsschritte bei den Fahrzeugen bevor?

Die benötigten Brennstoffzellen gibt es bereits. Allerdings müssen wir für den Einsatz von Brennstoffzellensystemen unsere Modelle verändern: Anders als bei der Li-Ionen-Technik entsteht Wärme, die per Lüfter aus der Karosserie herausgeführt wird. In der Folge wandelt sich die Konstruktion der Fahrzeuge. Unser Fokus liegt darauf, zukünftig eine ganze Flotte von Flurförderfahrzeugen mit diesem Antrieb anbieten zu können.

Wie wirkt sich die Industrie 4.0 auf diese Entwicklung aus?

Nehmen Sie autonome Fahrzeuge als Beispiel. Ihre umfassende Verfügbarkeit wird in 4.0-Systemen immer wichtiger. Wenn sie mit Brennstoffzellen betrieben werden, kündigen sie mit einer WhatsApp-Nachricht auf das Handy des Tankwarts kurz an, dass ein schnelles Nachtanken erfolgen muss. Das Fahrzeug ist anschließend direkt wieder einsatzbereit. Das übergreifende Flottenmanagement in der 4.0-Industrie wird auf dieser Basis also einfacher.

Wie schätzen Sie die zukünftigen Marktchancen der Brennstoffzelle ein?

Es gibt noch eine Reihe von Fragen zu klären, aber die Technik könnte für bestimmte Anwender eine echte Alternative darstellen. Gerade Mehrschichtbetriebe profitieren. Allerdings müssen sie zu Beginn auch einige Investitionen tätigen. Hierzu gehört beispielsweise die Installation einer Wasserstofftankstelle. Sicher ist übrigens auch, dass die Technik immer dann ökologisch nachhaltiger als Bleisäurebatterien ist, wenn grüner Wasserstoff zum Einsatz kommt, der mithilfe von Biomethan oder Windenergie gewonnen wird. Das konnten wir im Rahmen einer Studie nachweisen.

Einsatzbeispiel

Werkslogistik bei Mercedes Benz

Mercedes-Benz setzt auf Gabelstapler mit Wasserstoff-Brennstoffzellen-Antrieb. Mit den von Linde Material Handling hergestellten Fahrzeuge gestaltet der Automobilhersteller seine Werkslogistik noch effizienter und nachhaltiger. Weitere Vorteile von Staplern mit Wasserstoff-Brennstoffzellen-Antrieb erklärt Mark Hanke, Leiter Komponenten-Vorentwicklung bei Linde Material Handling.

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