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„Viele Kunden könnten jetzt schon von der Li-Ionen-Technik profitieren“

Harald Will, Entwicklungsleiter der KION Group, über die Möglichkeiten der Li-Ionen-Batterietechnik im praktischen Einsatz.

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Energiesysteme

Herr Will, in welche Richtung entwickelt sich die Batterietechnik von Flurförderfahrzeugen?

Es steht seit einigen Jahren fest, dass sich Li-Ionen-Batterien in naher Zukunft durchsetzen. Das sieht man übrigens auch mit Blick auf andere Branchen. Es gibt immer mehr Fahrräder, Motorräder und Elektrogeräte mit dieser Technik. Ihre Bedeutung nimmt allgemein zu. Die große Verbreitung in unserer Branche steht allerdings noch bevor.

Warum setzen Sie letztlich auf diese Technik?

Es gibt viele Argumente. Nehmen wir ein praktisches Beispiel: Die herkömmliche Bleibatterie hat einen Wirkungsgrad von nur 63 Prozent. Ein Drittel des geladenen Stroms geht also ungenutzt wieder verloren. Der Wirkungsgrad von Li-Ionen-Batterien beträgt hingegen 90 Prozent. Deshalb nutzt man mit jedem Ladezyklus die Energie viel effizienter. Außerdem lassen sich Li-Ionen-Batterie viel häufiger nachladen, ohne dass sie ihre Kapazität verlieren. Häufiges Zwischenladen verlängert sogar ihren Lebenszyklus.

Harald Will, Entwicklungsleiter der KION Group

Wie wirkt sich die Industrie 4.0 auf diese Entwicklung aus?

Für die Automatisierung der Logistik brauchen wir Flurförderfahrzeuge, deren Verfügbarkeit sich präzise planen lässt und die mit einer Batterieladung lange arbeiten können – und das geht nur mithilfe der Li-Ionen-Technik. Bei ihr wissen wir bis auf die Minute genau, wie lange die Batterie noch durchhält. Folglich können wir die Ladezyklen und Fahrzeugeinsätze auch übergreifend im Unternehmen steuern. Damit sinkt übrigens auch der Personalaufwand. Den Ladezustand einer Bleisäurebatterie kann man hingegen nur sehr ungenau bestimmen. Unter Umständen muss ein Mitarbeiter die Batterie alle vier Stunden wechseln. Ein solch unflexibler Prozess lässt mit intelligenten Abläufen, wie sie die Industrie 4.0 erfordert, kaum vereinen.

Wie verändern sich die Fahrzeuge?

Zukünftig wird es Fahrzeuge geben, die ausschließlich für die Li-Ionen-Technologie konstruiert sind. Das ist im Moment aber noch nicht der Fall. Wir können dann zum Beispiel die Sicht und Ergonomie vieler Fahrzeuge verbessern, weil die Batterie weniger Platz beansprucht oder die Batterie verteilt im Fahrzeug angeordnet werden kann. Auf der anderen Seite eröffnen sich allgemein neue Möglichkeiten über die Kommunikation der Fahrzeugelektronik mit der intelligenten Li-Ionen-Batterie. In der Folge wird die Performance automatisch gedrosselt, wenn die Ladung schwächer wird. In diesem Zustand hält das Fahrzeug dann ohne Nachladung noch längere Zeit durch.

Linde Lithium Ionen Stapler bei Danone

Wann steht die Technologie umfassend zur Verfügung?

Wir setzen die Technologie seit Anfang 2015 ein. Mittelfristig werden wir alle Fahrzeugtypen mit Li-Ionen-Technologie anbieten, gehen dabei aber schrittweise vor. Der Rollout mit ersten Fahrzeugen im Bereich der Lagertechnik hat bereits begonnen, erste Gegengewichtsstapler folgen in 2016.

Mit welcher Marktentwicklung rechnen Sie jetzt?

Das Interesse der Kunden ist bereits heute groß. Allerdings bremsen die höheren Anschaffungskosten derzeit noch die Marktentwicklung. Trotzdem würde sich die Technik häufig direkt rechnen: Wir schätzen, dass ein Drittel der Kunden bereits jetzt von wirtschaftlichen Vorteilen profitieren würde. Es ist deshalb keine Frage, dass sich diese Technologie durchsetzt – und das kann unter Umständen auch sehr schnell gehen.

Einsatzbeispiel

 Danone: perfekt vernetzt

Welche Möglichkeiten die Li-Ionen-Technologie darüber hinaus eröffnet, verdeutlicht ihr Einsatz beim französischen Lebensmittelkonzern Danone am Standort La Sablonnière in der Normandie. Einer der Hauptgründe für den Einsatz hier ist ihre Vernetzbarkeit: Die Flurförderzeuge besitzen eine Schnittstelle, über die die Batterie mit dem Stapler kommuniziert. Wird die Ladung schwächer, drosselt das Fahrzeug seine Leistung selbstständig. Ohne zusätzlichen Ladeprozess wird so die benötigte Schicht zu Ende gebracht. Ähnlich wichtig ist die sehr präzise, messbare Entladung der Li-Ionen-Batterie. Einer der Routenzüge bei Danone muss zum Beispiel jede Stunde genau einmal 15 Minuten fahren. Dazwischen stoppt das Fahrzeug dann kurz an der Ladestation – eine perfekte Taktung.

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