Interview mit Kerry McDonagh – UK

Kerry McDonagh ist Managing Director von Linde Material Handling in UK und stand mir Rede und Antwort mit hochspannenden Aussagen. Es geht um nicht weniger als eine mögliche Zukunft der Logistik und was dies sowohl für die Kunden aber für Linde selbst bedeutet. Ein sehr angenehmer Mensch im Übrigen – als ich ihn fragte, ob ich ihn mit Mr. McDonagh ansprechen soll, meinte er: „Please call me Kerry – Mr. McDonagh, that was my father.“ Vorhang auf für ein erhellendes Interview mit einem Gesprächspartner, der die Dinge auf den Punkt bringt:

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Tagesreport

Hallo, Kerry, schön Sie hier zu haben. Ich hoffe, Sie können uns etwas über die World of Material Handling in Bezug auf Ihre Kunden erzählen.  Geben Sie Ihnen bitte ein Feedback zu ihren Eindrücken von der Veranstaltung?

Zuerst kann ich sagen, dass sie sehr angetan sind. Es haben mehr Kunden auf unsere Einladung reagiert und es sind mehr hier, als wir erwartet haben. Sie interessieren sich sehr für die Sicht von Linde darauf, was die Zukunft des Material Handling sein wird. Sie sind neugierig, was wir tun können, um sie hauptsächlich in zwei Aspekten zu unterstützen: zum einen, um ihren aktuellen Betrieb effizienter zu gestalten, und zum anderen wollen sie unbedingt mit uns darüber reden, was die Zukunft für sie bereit hält, in welche Richtung sich das Material Handling entwickeln wird.

 

Gab es auch spezifische Fragen zu den Themen, die wir hier präsentieren, wie Automatisierung oder Energiesysteme? Besteht daran ein großes Interesse?

Auf jeden Fall. Das hängt natürlich in beiden Fällen von den Kunden ab. Aber im Moment gibt es ein großes Interesse an der Automatisierung. Und die Frage lautet nicht: „Wie kann ich automatisieren?“, sondern: „Sollte ich automatisieren?“ Denn für manche Unternehmen, wenn man beispielsweise an ein Third-Party-Logistics-Unternehmen denkt, die oft nur Verträge über ein oder zwei Jahre Laufzeit haben, rentieren sich große Investitionen in die Automatisierung nicht. Aber die mit Balyo automatisierten Produkte von Linde sind sehr viel sinnvoller für sie, weil sie flexibel einsetzbar sind. Auf dem Gebiet gab es also viele Gespräche.

 

Ist der Markt in Großbritannien anders? Können Sie uns den Kunden in Großbritannien beschreiben?

Wir haben natürlich einen großen Markt, aber mit zwei speziellen Bereichen. Zum einen das, was wir den traditionellen Kunden nennen, der sich während der Rezession auf seine Kosten konzentrieren musste und dieses Verhalten beibehalten hat. Diese Kunden wollen mit uns über die operationelle Effizienz reden, darüber, was wir tun können, um ihre Betriebszeiten zu erhöhen, das Beste aus ihrer Fahrzeugflotte herauszuholen und Schäden zu verringern. Das sind all die Bereiche, in denen wir traditionell gut sind. Aber dann gibt es noch eine andere, neu aufkommende Gruppe. Das sind die größeren Kunden, die sich über die Zukunft Gedanken machen. Und wenn die sich ansehen, was ihre Kunden wollen – immer kleinere Formate, häufigere Lieferungen, Lieferung am selben Tag – dann fragen sie uns, was Linde dazu beitragen kann, diese Herausforderungen ihres Geschäfts zu erfüllen.

 

Und ganz konkret gefragt: Was antworten Sie auf diese Fragen?

Wichtig ist dabei, dass sie von uns keine fertigen Antworten wollen, sondern einen engen Austausch. Sie wollen wissen, was wir wissen. Sie wollen, dass wir ihnen dabei helfen, sich eine eigene Meinung zu bilden. Wir gehen dann oft in die Richtung, mit ihnen über Automatisierung und Semi-Automatisierung zu sprechen, aber wir dürfen auch nicht vergessen, dass wir schon im traditionellen Lagerhaus sehr viel für sie tun können mit verschiedenen Schichtungen, klug geschnittenen effizienten Lagern, und wir reden natürlich mit ihnen über die traditionellen Dinge, auf die es ankommt. Zum Beispiel Betriebszeiten: Wenn Ihre Fahrzeuge zu 95 % verfügbar sind, sind sie effizienter, als wenn sie nur zu 90 % verfügbar sind. Auch wenn wir alle über die Zukunft ins Schwärmen geraten, halte ich es für wichtig, dass wir nicht vergessen, dass alles darauf beruht, dass wir gut gebaute, zuverlässige Maschinen haben sowie ein dichtes Service-Netzwerk, das diese Maschinen am Laufen hält.

 

Also eine Kombination von Tradition und klarer Ausrichtung auf die Zukunft.

Das glaube ich, ja.

 

Von was für Zeitspannen sprechen wir hier? Ich komme aus dem IT-Bereich, da sehe ich die große Zukunft, in der alles automatisiert und mit Robotern versehen ist, in fünf Jahren. Wo sehen Sie Ihre Kunden in fünf oder zehn Jahren? Was wird sich in Großbritannien ändern und wie drastisch wird das vonstatten gehen?

Zunächst einmal müssen wir beachten, dass gerade eine Generation heranwächst, die von absolut jedem Bereich ihres Lebens Vernetzung erwartet. Die heutigen Teenager werden in zehn Jahren Logistik Manager sein oder Gabelstaplerfahrer, und sie wachsen in einer Zeit auf, in der alles miteinander vernetzt ist. Wenn wir also zehn Jahre in die Zukunft blicken, wird wohl eine der größten Änderungen sein, dass unsere Kunden von uns auch beim Management und dem Transport ihren Daten, ihrer Informationsflüsse, zur Steigerung ihrer Produktivität Unterstützung erwarten – während sie heute eher das Management ihrer Maschinen erwarten. Ich glaube, in der Zukunft wird das Maschinenmanagement nur noch der Zugang sein und der wahre Mehrwert wird in der Vernetzung bestehen, durch die die Maschinen miteinander und mit den Lagerverwaltungssystemen in der Logistikkette rauf und runter kommunizieren. Ich glaube, während wir uns heute Linde Material Handling nennen und dabei an Gabelstapler denken, müssen wir künftig das Material Handling, also den Materialtransport, ganz vom Anfang bis hin zum Endkunden denken.

 

Könnte es dann also sein, dass Linde ähnlich wie Apple, eines Tages seinen Namen ändert, vielleicht in Linde Data Machine Handling?

Angesichts einer Gesellschaft, die in Sachen Vernetzung immer anspruchsvoller wird, werden sich auch die Ansprüche an das Material Handling ändern. So, wie wir heute völlig andere Ansprüche an ein Telefon haben als noch vor 25 Jahren. Vor 25 Jahren war ein Telefon im Haus installiert und man hat darüber mit anderen Menschen gesprochen. Eine der Sachen, die wir heute vermutlich am wenigsten mit einem Telefon machen, ist das Sprechen mit anderen. Wir nutzen es für alles andere. Und ich glaube, beim Material Handling wird es ganz ähnlich sein. In der Zukunft wird das Gewicht viel mehr auf der gesamten Logistikkette liegen und dank der Beherrschung des Datenmanagement werden wir stärker an der gesamten Kette partizipieren als heute.

 

Meine letzte Frage ist eine persönliche Frage an Sie. Wenn ich von all Ihren großen Herausforderungen höre, um ihren Kunden den Übergang zu ermöglichen, sind Sie da besorgt, dass Linde immer das Richtige zur richtigen Zeit tun wird? Halten Sie Linde für ein Unternehmen, das Herausforderungen sucht?

Eine unserer großen Stärken, und das sieht man auch hier auf der WoMH, ist unsere enge Verbindung mit unseren Kunden. Jeder sagt, er rede mit seinen Kunden, aber Linde hört seinen Kunden auch zu, und das macht einen großen Unterschied. Wir man sich anschaut, wie wir uns als Betrieb entwickelt haben, dann immer dadurch, dass wir uns auf die wichtigen Anliegen und Bedürfnisse unserer Kunden konzentriert haben. Und hier auf der WoMH sieht man, dass wir unseren Kunden nicht nur erzählen, was wir tun können, sondern dass wir zuhören, was sie wollen. Und das hilft uns, Produkte zu entwickeln. Linde bringt alles zusammen, wie man hier sieht. Ich glaube also, Linde ist gut positioniert, weil es ein Unternehmen ist, das sich nicht scheut Dinge anzugehen, von denen wir nichts wissen, in die Welt hinauszugehen und Leute zu fragen. Und darum werden wir an der Zukunft teilhaben.

 

Kerry, das war ein tolles Gespräch. Vielen Dank.

Ich danke Ihnen.

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