Florian Heydenreich – Leiter Business Development Linde Material Handling – hielt vor den zahlreich erschienenen Gästen eine überaus spannenden Vortrag. Im Fokus standen die künftigen Herausforderungen und die treibenden Faktoren, die Veränderungen im Bereich der Intralogistik mit sich bringen. Fassen wir seinen Vortrag zusammen, denn er bietet sehr guten Stoff zum Nachdenken.

Florian Heydenreich - Leiter Business Development Linde Material Handling

Das Jahr 2015 übertraf alle Erwartungen. Im Vergleich zum Vorjahr wurden in Deutschland 140 Millionen mehr Pakete transportiert als in 2014. Dies bedeutet einen beeindruckenden Anstieg von 400.000 Paketen am Tag.

Das alleine verdeutlicht bereits, mit welchen Volumina es die Logistik-Branche zu tun hat. Jahr für Jahr steigen Lieferzahlen. Es geht jedoch nicht nur um rasant steigende Volumina. Flexibilität und immer schnellere Lieferanforderungen werden immer wichtiger.

Neben der absoluten Zahl der Sendungen wird die Komplexität maßgeblich dadurch getrieben, dass diese Sendungen eine geringere Menge verschiedenster Produkte enthalten. In anderen Worten: Sie sind einzigartig und erfordern daher eine besondere Flexibilität des Material Handlings.

Fünf Hauptmerkmale der Veränderung in der Intralogistik

Heydenreich fasste die Herausforderungen in fünf Thesen zusammen:

  • Vermehrt kundenindividuelle Produkte.
  • Kleinere Volumen.
  • Kürzere Lieferzeiten erwartet.
  • Hersteller, Lieferanten und Kunden werden mehr vernetzt werden in der Zukunft.
  • Logistik wird komplexer werden und Lieferungen kleinteiliger.

Wesentliche Faktoren der Veränderung

Nicht alle Länder stehen vor gleichen Herausforderungen. Dennoch ist das Thema der alternden Bevölkerung in allen wohlhabenden Nationen ein ganz wesentlicher Faktor, der auch Auswirkungen auf das längere Arbeitsalter und damit auf das Arbeitsumfeld hat.

Dies fordert altersgerechte Arbeitsplätze sowie den Fokus auf Ergonomie zur Erhaltung der Arbeitsleistung. Darüber hinaus muss ein erhöhter Grad an Automatisierung zur Unterstützung und Ergänzung der Mitarbeiter erreicht werden.

Ein weiterer Faktor ist natürlich auch die zunehmende Digitalisierung, die global für alle Wirtschaftsbetriebe eine riesige Herausforderungen darstellt. Das Tempo der voranschreitenden Digitalisierung ist atemberaubend. Bereits heute sprechen wir vom „Internet der Dinge“, das eine Vernetzung von sämtlichen Objekten nach sich zieht. Für die Intralogistik bedeutet das nichts anderes als eine schrittweise Entwicklung in Richtung „Industrie 4.0„:

Die Systeme wissen gegenseitig von ihren Betriebszuständen und können Ihre Zusammenarbeit selbstständig optimieren bzw. frühzeitig auf Engpässe entlang der Supply-Chain reagieren… das Denken und Arbeiten in Netzwerken und Partnerschaften wird dabei zunehmend an Bedeutung gewinnen.

Auswirkungen auf die Produktivität

Die Potentiale einer zunehmenden Vernetzung und intelligenten Verknüpfung hat Florian Heydenreich deutlich aufgezeigt:

Durch den Einsatz von Predictive Maintenance können die Wartungskosten um 10 bis 40 Prozent gesenkt werden, da immer das richtige Ersatzteil zur richtigen Zeit an der richtigen Maschine bereit steht… ein weiteres Beispiel ist die Senkung des Maschinenstillstands zwischen 30 und 50 Prozent. Dies kann etwa durch eine vorausschauende Kapazitätsplanung oder das rechtzeitige erkennen des Werkzeugverschleißes umgesetzt werden. Gerechnet über die nächsten fünf Jahren lassen sich durchgängig über alle Sektoren 18% Effizienzsteigerung erreichen… als Begründung für digitalisierte und automatisierte Abläufe darf man aber nicht nur den Return-On-Invest anführen. Auch der hohe Durchsatz, die Qualität sowie Sicherheit und Ergonomie müssen betrachtet werden.

Konkret: Welche Antworten bietet Linde Material Handling auf die Trends?

Heydenreich nannte mehrere, konkrete Beispiele, die auf die zukünftigen Herausforderungen einzahlen:

  1. Getrieben durch den Klimawandel und die Knappheit von Ressourcen werden Klimaneutralität und Nachhaltigkeit immer gewichtigere Motive. Momentan sind bereits 80 Prozent der von Linde hergestellten Fahrzeuge mit einem Elektromotor ausgestattet – Tendenz steigend. Da die Prozesse der Kunden hohe Anforderungen an den Energiespeicher stellen, sind innovative Technologien wie Lithium-Ion oder der Einsatz der Brennstoffzelle die Wegbereiter der Zukunft.
  2. Die mit den wachsenden Anforderungen einhergehenden Sicherheitsfragen sind essentiell. Die finanzielle Bedeutung kann erahnt werden, wenn man durchschnittliche Kosten pro Unfall von 85.000 Euro ansetzt. Neben der Fürsorgepflicht besteht für Linde aus ökonomischer Hinsicht Handlungsbedarf zur Erhöhung der Sicherheit. Dies kann durch Safety-Hardware, aber auch durch Safety-Beratung erreicht werden.
  3. Der Mehrwert in der Vernetzung liegt zunächst auf der Verbesserung der Prozesskosten. Sobald die Fahrzeuge in ein System aus intralogistischen Geräten und Software-Lösung eingebunden sind, entsteht der Wert durch eine ständige und holistische Optimierung der Kundenprozesse. Die Linde-Fahrzeuge werden daher Stück für Stück vernetzt und immer enger in ihre Umwelt eingebunden.
  4. Vernetzung bedeutet aber auch eine höhere Betriebsbereitschaft. In Zukunft wird es möglich sein, durch eine Ferndiagnose bereits vor Abfahrt des Servicetechnikers zu wissen, was den Fehler ausgelöst hat und wie dieser zu beheben ist. Langwierige Diskussionen vor Ort entfallen. Da der Techniker das richtige Ersatzteil gleich mitnehmen kann, entfallen Wartezeiten fast komplett.
  5. Im Bereich der Automatisierung lernen autonome Fahrzeug die Umgebung kennen und orientieren sich daran. Sollte sich aufgrund von Kapazitätserweiterungen oder verbesserten Strukturen eine neue Umgebung ergeben, kann diese schnell neu gelernt und umgesetzt werden. Bei neuesten Entwicklungen wird Hindernissen sogar aktiv ausgewichen. Autonome Fahrzeuge können darüber hinaus Transportschäden und Fehllieferungen verhindern, Transparenz im Materialfluss schaffen und auch bei anspruchsvollen Umgebungsbedingungen wie Tiefkühl- und Gefahrenbereichen eingesetzt werden.
  6. Zudem verschwinden zunehmend die Bereiche, bei denen bislang der Einsatz von manuellen und automatisierten Lösungen klar abgegrenzt war. Eine intelligente Mensch-Roboter-Kollaboration sowie automatisierte Kleinladungstransporte werden an Bedeutung gewinnen.

Lassen wir die Vortragszusammenfassung mit folgendem Zitat enden, das einen hochinteressanten Ausblick verspricht:

Intelligente Lösungen, z.B. intelligente zukünftige Fabriken, zeichnen sich durch Wandlungsfähigkeit, Ressourceneffizienz, ergonomische Gestaltung sowie die Integration von Kunden und Partnern aus. Argumente, welche für flexible Abläufe in Wertströmen sprechen.