So wird in Zukunft kommissioniert: Das halbautomatische OptiPick-System

Auf der World of Material Handling 2016 fasziniert mich ein Bereich besonders: Automatisierung. Dieses große, weit gespannte Feld wird meistens mit Robotern gleichgesetzt, die menschliche Arbeit ersetzen. Jedoch unterschlägt man damit, dass gerade halbautomatischen Systemen die nahe Zukunft gehört. Es handelt sich um Lösungen, die eine Interaktion zwischen Mensch und Maschine ermöglichen. Eine dieser Lösungen von Linde nennt sich OptiPick und befindet sich im Moment noch im Entwicklungsstadium, steht aber kurz vor der Marktreife.

Das flüssige Handling, der einfache Wechsel zwischen dem manuellen Modus und dem Automatikmodus ist absolut sehenswert!

Was ist OptiPick und wie funktioniert es?

Eine Mitarbeiterin – die mit für die Entwicklung des Systems mit zuständig ist – war so freundlich, mir das System zu demonstrieren. Es steht wie bereits gesagt kurz vor der Marktreife und daher ist es durchaus möglich, dass sich bis dahin das eine oder andere technische Detail noch ändern kann. Im Moment besteht es aus einem Computerarmband, das der Picker mit sich trägt. Zur Gesamtlösung gehört das Kommissioniergerät N20, das mit dem Computerarmband per Funk gekoppelt wird.

WOMH 2016 - OptiPicker Armband

Die möglichen Bedienungsfunktionen:

  1. Der Picker löst per einfachen Touch auf das Armband das Bewegungskommando für den N20 aus, der darauf exakt 2,80 Meter im Breitgang parallel zu den Regalen autonom entlangfährt. Das entspricht der Standardlänge eines Regalsegments. Natürlich kann im System eine andere Länge hinterlegt werden. Nach exakt 2,80 Metern hält die Maschine an. Der Picker entnimmt das Paket aus dem Regal. legt es zur bereits kommissionierten Ware und löst erneut per Touch ein weiteres Fahrtkommando aus. Der große Vorteil wird sofort klar: Der Kommissionierer muss nicht mehr ständig zwischen Fahrzeug und Regal hin- und herlaufen. Die Maschine folgt dem Mitarbeiter sozusagen bei Fuß! Das ist nicht etwa starr, sondern hochflexibel gelöst.
  2. Diesmal hat der Picker die Fernbedienung zweimal berührt. Das bedeutet für den N20, die doppelte Strecke autonom zu fahren. Also 5,60 Meter bis zum übernächsten Regal.
  3. Wenn der Kommissionierer ein entfernteres Regal ansteuern muss, löst er das Kommando per Dauer-Touch auf dem Armband aus. Die N20 fährt nun solange, bis der Bediener per Touch das Stop-Signal auslöst. Variabler und einfacher geht es im Grunde nicht mehr.
  4. Touch – Drive – Pick – Touch – Drive – Pick. Das ist die Formel letztlich.
  5. Der Bediener kann jederzeit wieder die Kontrolle über das Fahrzeug übernehmen, indem er wie gewohnt aufsteigt und selber lenkt. Der Wechsel zwischen Automatik und Manuell erfolgt ohne besonderen, komplexen Befehle oder Handgriffe. Einsteigen und losfahren. Absteigen, picken, das Armband betätigen und den N20 autonom weiterfahren lassen. Was im Video wunderbar zu sehen, wie flüssig dieses Handling ist.
  6. Sollte im autonomen Fahrmodus ein Objekt oder ein Lagermitarbeiter den Weg versperren, stoppt der N20 vollautomatisch dank der im Frontbereich eingebauten Sensoren, die ein 180 Grad-Umfeld überwachen. Das System ist dadurch so clever, das kleinere Hindernisse automatisch umfahren werden. Das Fahrzeug erkennt zudem wenn das Regal zu Ende ist und bleibt automatisch stehen, um nicht in einen offenen Kreuzungsbereich hinein zu fahren. Im System kann natürlich ebenso der Fahrabstand zu den Regalen eingestellt werden. Minimum sind 55 cm.
WOMH 2016 - Der Kommissionierer N20

Der Kommissionierer N20 mit OptiPick-System

Ich habe nur eine einzige Frage noch dazu: Wann wird Linde Material Handling ein solches System als Kleinstlösung für Privathaushalte anbieten?